Noch vor wenigen Jahren war für individuelle Bildwelten meist ein Fotoshooting, eine aufwendige Bildmontage oder der Griff zu Stockmaterial notwendig. Mit generativer künstlicher Intelligenz sind inzwischen weitere Möglichkeiten hinzugekommen.
KI kann vollständig neue Motive erzeugen, vorhandene Fotos verändern, Hintergründe austauschen oder reale Produkte und Projekte in neue Szenen integrieren. Gerade für Webseiten und Werbung eröffnet das interessante Möglichkeiten.
Doch nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch eingesetzt werden. Besonders bei fotorealistischen Bildern stellt sich schnell die Frage: Was ist kreative Inszenierung – und wann entsteht ein falscher Eindruck?
KI-Bilder müssen nicht komplett künstlich sein
Wenn von KI-generierten Bildern gesprochen wird, denkt man schnell an Motive, die vollständig am Computer entstanden sind.
In der Praxis gibt es jedoch viele Abstufungen.
Ein Bild kann vollständig generiert werden. Genauso kann ein reales Foto lediglich erweitert, freigestellt oder in eine neue Umgebung integriert werden. Auch störende Elemente können entfernt oder vorhandene Aufnahmen an ein anderes Format angepasst werden.
Gerade diese Kombination aus realem Ausgangsmaterial und KI-gestützter Bearbeitung kann für Unternehmen interessant sein.
Individuelle Motive statt austauschbarer Stockfotos
Stockfotos sind praktisch, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie wurden nicht speziell für das jeweilige Unternehmen erstellt.
Das gesuchte Motiv existiert vielleicht nur ungefähr passend. Farben stimmen nicht mit dem eigenen Auftritt überein oder dieselbe Aufnahme taucht auf zahlreichen anderen Webseiten auf.
Mit KI lassen sich Motive wesentlich gezielter entwickeln. Umgebung, Licht, Perspektive, Stimmung und Bildaufbau können auf die gewünschte Gestaltung abgestimmt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein KI-Bild automatisch individuell wirkt. Ohne eine konkrete Idee entstehen auch mit moderner Technik schnell austauschbare Motive.
Die Qualität beginnt deshalb nicht beim Bildgenerator, sondern bei der Bildidee.
Bestehende Fotos lassen sich weiterentwickeln
Besonders spannend ist KI dort, wo bereits gutes Ausgangsmaterial vorhanden ist.
Ein Produktfoto kann beispielsweise in eine passende Umgebung eingebunden werden. Ein zu eng fotografiertes Motiv lässt sich für ein breites Headerformat erweitern. Ein störender Gegenstand kann entfernt oder ein vorhandener Hintergrund ausgetauscht werden.
Dadurch muss nicht zwangsläufig das komplette Bild künstlich erzeugt werden.
Für Unternehmen kann das eine gute Möglichkeit sein, vorhandenes Bildmaterial flexibler für unterschiedliche Medien einzusetzen.
Für Webseiten entstehen völlig neue Bildwelten
Bei der Gestaltung einer Webseite werden häufig mehrere Motive benötigt, die optisch zusammenpassen sollen.
Das Headerbild muss vielleicht sehr breit funktionieren, während für Referenzen, Inhaltsbereiche oder andere Elemente unterschiedliche Bildausschnitte benötigt werden. Gleichzeitig sollte die Bildsprache über die gesamte Webseite hinweg möglichst einheitlich bleiben.
Mit KI können solche Bildwelten gezielt entwickelt und verschiedene Motive aufeinander abgestimmt werden.
Gerade bei Themen, für die passendes Fotomaterial schwer zu bekommen ist, entstehen dadurch interessante Möglichkeiten.
Entscheidend bleibt jedoch: Die Bilder müssen zum tatsächlichen Unternehmen passen.
Eine spektakuläre Bildwelt bringt wenig, wenn sie beim Besucher Erwartungen erzeugt, die mit dem Unternehmen selbst nichts zu tun haben.
Auch beim professionellen Webdesign spielt deshalb eine einheitliche und zum Unternehmen passende Bildsprache eine wichtige Rolle.

Ein reales Ergebnis darf neu inszeniert werden
Ein interessanter Anwendungsfall ist die Präsentation eigener Arbeiten.
Angenommen, eine Agentur hat für einen Kunden einen Flyer gestaltet. Der Flyer selbst ist real, aber es existiert lediglich eine einfache Aufnahme oder die ursprüngliche Druckdatei.
Mithilfe von KI kann dieses reale Arbeitsergebnis beispielsweise auf einem hochwertigen Schreibtisch, in einer Geschäftssituation oder zusammen mit weiteren passenden Materialien präsentiert werden.
Die Umgebung ist künstlich erzeugt – die gezeigte gestalterische Leistung bleibt jedoch real.
Auch bei plan a media setzen wir KI gezielt für die visuelle Präsentation ein. So können beispielsweise tatsächlich umgesetzte Projekte in einer neu erzeugten Umgebung inszeniert oder vorhandene Bilder für unterschiedliche Formate weiterentwickelt werden. Wichtig ist uns dabei, dass die eigentliche Arbeit unverändert bleibt und durch die Darstellung kein falscher Eindruck über das Projekt entsteht.
Gerade für Referenzen bietet diese Vorgehensweise die Möglichkeit, unterschiedliche Arbeiten hochwertig und in einer einheitlichen Bildsprache zu präsentieren.
Aus Inszenierung darf keine falsche Referenz werden
An einem anderen Punkt wird die Grenze jedoch deutlich.
Problematisch wäre es, mithilfe von KI einen Flyer, ein Produkt, ein Gebäude oder ein anderes Arbeitsergebnis vollständig zu erfinden und anschließend den Eindruck zu vermitteln, dieses Projekt sei tatsächlich umgesetzt worden.
Das Gleiche gilt beispielsweise für künstlich erzeugte Mitarbeiter, Geschäftsräume oder Arbeitssituationen, wenn sie vom Betrachter als reale Darstellung des Unternehmens verstanden werden sollen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Ist dieses Bild mit KI entstanden?“ Sondern auch: „Welchen Eindruck vermittelt das Bild über die Realität?“
Kleine Fehler können die Glaubwürdigkeit zerstören
Auch technisch sehr gute KI-Bilder sollten vor der Veröffentlichung sorgfältig kontrolliert werden.
Typische Probleme können falsche Proportionen, unlogische Gegenstände, fehlerhafte Beschriftungen, unrealistische Materialien oder Details sein, die bei genauerem Hinsehen keinen Sinn ergeben.
Besonders kritisch sind Fehler an Produkten oder Arbeitsergebnissen, die tatsächlich existieren.
Wenn beispielsweise ein reales Logo, eine Verpackung oder ein gestalteter Flyer gezeigt wird, sollte KI dessen Gestaltung nicht unbemerkt verändern.
Ein auf den ersten Blick beeindruckendes Bild ist deshalb noch lange kein fertiges Werbemittel.
Was ist bei der Kennzeichnung zu beachten?
Mit der zunehmenden Verbreitung künstlich erzeugter Inhalte wird auch die Frage nach der Kennzeichnung wichtiger.
Ob und wie ein KI-generiertes oder KI-bearbeitetes Bild gekennzeichnet werden muss, hängt vom konkreten Einsatz, der Art des Inhalts und den jeweils geltenden rechtlichen beziehungsweise plattformspezifischen Anforderungen ab.
Unabhängig davon kann eine transparente Kennzeichnung sinnvoll sein, wenn ein fotorealistisches Motiv eine Situation zeigt, die tatsächlich nicht fotografiert wurde.
Dabei muss ein Hinweis nicht zwangsläufig im Mittelpunkt der Gestaltung stehen. Wichtig ist vielmehr, dass für den Betrachter keine irreführende Vorstellung darüber entsteht, was real aufgenommen und was künstlich erzeugt oder verändert wurde.
Auch auf unserer eigenen Webseite kennzeichnen wir entsprechende Motive, um den Einsatz von KI transparent zu machen.
Da sich rechtliche Vorgaben und Plattformregeln weiterentwickeln, sollten die Anforderungen für den jeweiligen Einsatz aktuell geprüft werden.
KI ersetzt keine gute Bildauswahl
Die technischen Möglichkeiten können leicht dazu verleiten, immer spektakulärere Motive zu erzeugen.
Für gute Werbung ist das jedoch nicht automatisch hilfreich.
Manchmal ist ein authentisches Foto aus dem Unternehmen die bessere Wahl. In anderen Fällen kann eine vollständig künstlich erzeugte Szene genau das richtige Mittel sein. Und häufig liegt die beste Lösung irgendwo dazwischen.
Entscheidend ist, welche Aufgabe das Bild erfüllen soll.
KI ist damit ein weiteres Werkzeug für die visuelle Gestaltung – aber nicht automatisch für jedes Motiv die beste Lösung.
Wie bei anderen Aufgaben im Unternehmen entsteht der größte Nutzen dort, wo KI gezielt eingesetzt und das Ergebnis anschließend menschlich beurteilt wird. Mehr dazu zeigen wir in unserem Beitrag „KI im Unternehmen: Wo sie wirklich Zeit spart – und wo nicht“.
Menschliche Kontrolle bleibt entscheidend
Am Ende sollte jedes Bild geprüft werden – unabhängig davon, ob es fotografiert, klassisch bearbeitet oder mithilfe von KI erstellt wurde.
Passt das Motiv zum Unternehmen? Sind alle Details plausibel? Entspricht die Darstellung dem tatsächlichen Angebot? Funktioniert das Bild im vorgesehenen Format?
Gerade bei KI-generierten Motiven lohnt sich der zweite Blick. Kleine Fehler fallen möglicherweise erst später auf, können dann aber die gesamte Wirkung eines ansonsten hochwertigen Bildes beeinträchtigen.
KI kann den kreativen Prozess erheblich erweitern. Die Entscheidung darüber, welches Bild tatsächlich eingesetzt wird und welche Aussage damit verbunden ist, bleibt jedoch beim Menschen.

Fazit: KI erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten
KI eröffnet für Werbung und Webdesign Möglichkeiten, die noch vor kurzer Zeit nur mit deutlich größerem Aufwand umsetzbar waren.
Eigene Fotos können erweitert, reale Projekte neu inszeniert und vollständig neue Bildwelten entwickelt werden.
Entscheidend ist jedoch ein bewusster Umgang mit diesen Möglichkeiten. Ein Bild sollte zum Unternehmen passen, technisch sorgfältig geprüft werden und keinen falschen Eindruck über tatsächliche Leistungen, Produkte oder Gegebenheiten vermitteln.
Richtig eingesetzt ersetzt KI deshalb weder Fotografie noch klassische Bildbearbeitung oder kreative Gestaltung. Sie ergänzt diese Möglichkeiten um ein leistungsfähiges neues Werkzeug.